Kune Kune Hof Lindenrain

Wir sind selber keine Fachleute, sondern Halter, die zu Beginn auch 100 Fragen hatten. Vielleicht helfen die Hinweise dem einen oder anderen, um sich für oder gegen Kune Kune zu entscheiden oder sich auf den Einzug der Tiere vorzubereiten.

Behörden

Kune Kune auf einer abgeteilten Hangweide mit orangem Elektronetz und Holzunterstand
Wechselweiden helfen, die Grasnarbe intakt zu halten, die Weidequalität zu halten und den Parasitendruck zu vermindern.
  • GewässerschutzIn gewissen Gebieten ist eine Freilandhaltung von Schweinen gar nicht zulässig. Dies muss vorab beim Kanton abgeklärt werden.
  • BetriebsregistrierungWer Schweine hält, auch bei wenigen Tieren zu Hobbyzwecken, braucht eine TVD-Betriebsnummer für die Tierverkehrsdatenbank. Bestellt wird sie beim kantonalen Amt.
  • Agate-LoginÜber agate.ch laufen alle Meldungen. Den Zugang bekommt man nach der Erstregistrierung beim Kanton.

Infrastruktur

Blick durch den Stall mit Buchten auf beiden Seiten
Der ganze Stall. Er war einmal ein Mastschwein- und dann ein Ponystall.
Der Stall mit zwei durch Holzbretter abgeteilten Buchten und zwei Kune Kune
Zwei grosszügige Abteile, jedes mit eigenem Ausgang zur Weide.
Ein Kune Kune wühlt in frischen Sägespänen, dahinter Heuraufen und die Bucht mit Wärmelampe
Frisch eingestreut, mit Heuraufe und der Bucht mit Wärmelampe für die Ferkel.
Ein eingestreuter Stall mit Holzbuchten, Trog und drei Kune Kune
Buchten, Einstreu und Trog. Der Liegebereich muss für die ganze Gruppe reichen.
Eine Person baut am Hang einen Holzzaun aus Schwartenbrettern
Holzzaun mit Schwartenbrettern. Bisher die ausbruchsicherste Variante.
Ein junger Baum am Hang, geschützt von einem selbst gebauten Lattenkorb
Junge Bäume brauchen einen Korb, sonst bleibt von der Rinde nichts übrig.
  • Stall oder UnterstandTrocken, zugfrei, eingestreut. Wir konnten auf einen ehemaligen Mastschwein- und dann Ponystall zurückgreifen, der sicher etwas überdimensioniert ist. So haben wir aber den Vorteil, den Stall in zwei grosszügige Abteile mit je einem Ausgang zur Weide unterteilen zu können. Das ist hilfreich, sobald man züchtet und phasenweise Eber und Sauen trennen muss.
  • TränkeStändig sauberes Wasser. Im Winter frostsicher, und das Gefäss stabil genug, dass es nicht zu Bruch geht, wenn es angehoben, fallen gelassen, rumgeschoben und betreten wird :)
  • FuttertrogGenug Fressplätze, damit auch rangniedere Tiere drankommen. Im Regelfall verteilen wir das Futter allerdings einfach über die gesamte, intakte grüne Weidefläche, sodass die Tiere artgerecht danach suchen können.
  • Auslauf und WeideKune Kune sind Weidetiere und decken bei guter Weide einen Grossteil des Futterbedarfs übers Grasen ab. Wechselweiden helfen, damit die Grasnarbe hält, die Weidequalität bestehen bleibt und der Parasitendruck vermindert wird. Wir halten die Herde im Frühling und Sommer beispielsweise bis zu drei Wochen auf einer Fläche von rund 300 m2 und wechseln dann.
  • UmzäunungWir nutzen vor allem Weidenetze und Holzzäune mit Schwartenbrettern. Das Holz ist bisher die ausbruchsicherste Variante, aber natürlich für Wechselweiden nicht geeignet. Klar ist: Sobald der Strom auf dem Weidenetz weg ist, sind die Schweine auch weg :)
  • Suhle und SchattenSchweine können nicht schwitzen, daher benötigen sie eine Abkühlungsmöglichkeit. Die artgerechteste Variante ist ein Schlammbad, am besten im Schatten. Wir haben bei der einen Suhle eine Teichfolie eingelegt und eine andere angelegt, indem wir einfach ein Loch gegraben haben. Beides klappt, allerdings verbraucht die Suhle ohne Folie deutlich mehr Wasser, veralgt dafür nie und muss nicht gereinigt werden.
  • MistBei den Wechselweiden nehmen wir den Mist nicht zusammen, im Stall und Auslauf schon. Verwendung und Lagerung sollten vor dem Kauf der Tiere geklärt sein.
  • BauweiseEs lohnt sich, die Infrastruktur schon zu Beginn darauf auszulegen, dass ein 100-Kilo-Tier sie auseinanderzunehmen versucht. Kune Kune haben enorm viel Kraft, und die Liebe zum Kratzen und ihre Neugier verleiten sie immer wieder dazu, unsere Schreiner-Skills auf die Probe zu stellen.

Weiteres

Ein Kune Kune sitzt bis zum Bauch in einer wassergefüllten Suhle unter einem blühenden Holunder
Suhle im Schatten unter dem Holunder.
  • WühlenEine häufig gestellte Frage ist die, ob Kune Kune wirklich nicht wühlen. Jeder Halter macht hier etwas andere Erfahrungen. Unsere Kune Kune haben bisher nur im allerersten Jahr gewühlt. Dann war auf einer Fläche von rund 15 m2 die Grasnarbe abgetragen. Mit dem Weidewechsel ist das ohne Nachsäen wieder problemlos nachgewachsen. Seither haben sie nicht mehr gewühlt. An was dies liegt, wissen wir nicht.
  • FütterungDer grosse Hauptbestandteil ist bei uns Gras und Heu. Dann kommen die Rüstabfälle von Obst und Gemüse aus der umliegenden Nachbarschaft dazu sowie in kargen Zeiten — grosse Trockenheit oder im Winter — trockenes Brot, Lagergemüse und Lagerobst und Sammelgüter wie Eicheln, Edelkastanien und Hagebutten. Ab und zu gibt es ein gekochtes Ei, wenn unsere Hühner besonders legefreudig sind. Auf gekauftes Futter greifen wir nur zurück, wenn in der Säugezeit nicht genügend energiereiches Futter zur Verfügung steht.
  • NachbarnWir haben vorher Bescheid gesagt. Die Kune Kune stinken zwar unserer Erfahrung nach wirklich nicht, aber ein ausgebüxtes Schwein oder die doch teilweise lauten Geräusche sind sicher einfacher zu handhaben, wenn man vorgewarnt war. Gut instruierte Nachbarn können zudem helfen, die Kune Kune mit Gemüse- und Obstrüstabfällen zu versorgen.
  • BestandestierarztFalls man bisher nur Haustiere gehalten hat, sucht man sich am besten einen neuen Tierarzt, der Nutztiere behandelt und sich mit Schweinen auskennt.

Zuständigkeiten sind kantonal verschieden

Ob das Landwirtschafts- oder das Veterinäramt die TVD-Nummer vergibt und wie die Gewässerschutzabklärung läuft, regelt jeder Kanton etwas anders. Im Zweifel bei der Gemeinde anrufen und fragen, wer zuständig ist.

Wenn du im Kanton Bern bist und nicht weiterkommst: meld dich. Wir sind denselben Weg gegangen.